Contra Schutzsoftware

Dr. Johannes Wiele, Fachredakteur im Computerwoche Verlag spricht sich gegen den Einsatz von Filtersoftware bei erwachsenen Usern aus. Er sieht darin eine Zensur und eine Bedrohung der Meinungsfreiheit.

Für Kinderzimmer mag Filtersoftware brauchbar sein, aber auf allen anderen Computern wird sie zu leicht zum Mittel der Zensur und ist daher eine Bedrohung für die Demokratie- und Meinungsfreiheit.

Im Jugendschutz muss man die Filter mit Bedacht einsetzen: Für Internet-Einsteiger, die ihre ersten Computer-Schritte machen, sind so genannte Whitelists eine gute Möglichkeit. Das sind Listen von Seiten im Web, die die Kinder besuchen dürfen, während alles andere konsequent gesperrt wird. Die Listen, die dem Alter der Kinder entsprechend Schritt für Schritt erweitert werden können. Die Listen sollten von Eltern oder Elterninitiati-ven erarbeitet werden, weil sonst zu schnell kommerzielle Interessen ins Spiel kommen. Blacklist-Filter und Bild- oder Textmusterfilter, die umgekehrt funktionieren und lediglich ungeeignete Seiten von Kindern fernhalten sollen, sind prinzipbedingt nie 100 Prozent sicher.

In die Kreise von Kinderpornografie-Anbieter gerät man nicht durch zufälliges Surfen, sondern über persönliche Kontakte. Daher sollten Eltern ihre Kinder vor den Internet-Gefahren genauso schützen, wie vor den "bösen Onkeln" im realen Leben: Indem sie eine offene Gesprächsatmosphäre schaffen und dafür sorgen, dass sie beunruhigende Erlebnisse mit ihnen besprechen können. Schließlich kann man kaum kontrollieren, ob die Kleinen nicht doch irgendwo an ungefilterte Internet-Inhalte herankommen. Ältere Jugendliche können die Filter ohnehin meist ausschalten. Um das richtige System einzusetzen, muss man die unterschiedlichen technischen Ansätze also kennen. Die Installation eines Filters kann bedeuten, dass man sich einer fragwürdigen "künstlichen Intelligenz" ausliefert - oder der Einschätzung unbekannter Menschen, die für das Urteil über eine Web-Seite weniger als zehn Sekunden veranschlagen und deren Einstellungen zu Kinderbedürfnissen völlig im Dunkeln liegen.