Live aus der Fussgängerzone
Die Filmemacherin Ulla Berlin hat zusammen mit der Journalistin Dorothee Bode für www.fan2003.de in der Münchner Fußgängerzone Menschen nach ihren Erfahrungen beim Internetsurfen befragt: Junge und Alte, Mädchen und Buben, Frauen und Männer. Fast alle sind schon einmal mehr oder weniger zufällig auf Sexseiten gelandet. Was sie dabei empfunden haben? Hier eine gekürzte Auswahl der Interviews.
Die Original-Interview-Töne finden Sie am Ende der Seite.
"Peinlich, furchtbar und echt heftig"
Drei Auszubildende, 17 Jahre alt
"Nachmittags, wenn die Kinder surfen, kommen die Banner 0190 und die clicken drauf....Das ist nicht so doll," meinen die jungen Mädchen. Ihnen gefällt auch nicht, dass sie automatisch auf Erotikseiten weitergeleitet werden. Dort "sind überwiegend Frauen und wenn man das sieht, fühlt man sich irgendwie minderwertig" "Man ist ein Gegenstand, der benutzt wird und dann kann man ihn auch wieder abschieben, es kommt nicht auf die Person an." "Es geht nicht um Intimität oder Partnerschaft, sondern einfach nur um den Geschlechtsverkehr. Die strecken ihren Pimmel raus und haben Spaß und dann ist es egal, was die Frau dabei empfindet, und das find ich nicht okay... So wird es auch Jugendlichen dann verkauft." "Wir sind genauso ein vollwertiger Mensch wie die Männer auch."
Ein 38-jähriger Mann, der im Bildungswesen tätig ist
Für ihn sind Sexseiten im Internet "völlig uninteressant, völlig überflüssig", erniedrigend für Frauen. Er hält es zwar "für wünschenswert diese Information zu begrenzen", sieht aber keine Möglichkeit, "so (anarchisch) wie das Internet strukturiert ist."
Eine 16-jährige Realschülerin
Sie findet Sexseiten "echt nicht gut" und würde sie "am liebsten ganz abschaffen." Sie fühlt sich an Prostitution erinnert und empfindet sie als unfair: "Weil die die Frauen irgendwie nackt hinstellen und sagen: Du machst das jetzt. Und die werden meistens dazu gezwungen." Ihre Klassenkameraden und Kumpels hingegen finden diese Seiten "geil" - wenn sie unter sich sind.
Eine 47-jährige Mutter
"Ich finds eigentlich furchtbar...für Jugendliche nicht schön.... das Frauenbild: es gehört ein bisschen mehr zum Frausein, nicht nur der Körper!" Ihr Sohn ist 18 und geht auch ins Internet: "Man ist hilflos, ich wüßte nicht, wie ich das kontrollieren sollte. Es ist auch die Frage, ob man das immer kontrollieren will, muss oder soll." Sie hat mit ihm früher darüber geredet, da ging es vor allem über gewaltbereite Spiele. Doch der mütterliche Einfluss ist eingeschränkt: "Wenn gerade die anderen Kids das herunterladen, dann lädt man es halt auch herunter." Verbote sind keine vielverspre}chende Strategie: "Alles, was verboten ist, ist dann erst recht interessant."
Ein 33-jähriger Gastwirt
Er schaltet weg, wenn er auf Sexseiten kommt, wo " die Frauen immer verfügbar sind, ohne dass man sich mit ihnen auseinandersetzen muß." Das "ändert schon was am Bild von einem Menschen," weil er zur Ware wird: "der Respekt geht irgendwann flöten."
Ein 10-jähriger Schüler
Nackte Frauen im Internet findet er "peinlich." "Nein, so was mag ich nicht."
Ein 35-jähriger Uhrmacher
Er findet es unmöglich, dass man "zwangsläufig" auf Sexseiten stößt, etwa bei Emails. Er verwehrt sich vor allem dagegen, unaufgefordert solche Post zu bekommen. Andererseits sieht er den Markt, "sonst würde es die Sache nicht geben." "Ich persönlich habe nichts dagegen, dass die Frauen das machen, so lange es sich nicht um zwangsmäßige Prostitution handelt."
Schwester (16) und Bruder (14)
Die beiden chatten und surfen zusammen im Internet. Ab und zu und nur aus Versehen sind sie auch schon auf Sexseiten gelandet. Die Schwester hat Bedenken, wenn Jungs solche Seiten besuchen: " dass die anfangen zu denken: eine Frau ist nur schön, wenn sie nackt ist." Der Bruder kennt Kumpels, die auf Sexseiten surfen: "Ja, also, die sind schon schweinisch... die gehen immer weiter rein." Ein Freund von ihm hat sich so eine Internet-Rechnung von 600 Mark zusammengesurft: "Der macht es nicht mehr."
Ein 21-jähriger Zivi
Er fühlt sich von Sexseiten bombardiert und hat kein Interesse daran: "Nee, lieber selber machen, das macht ein bisschen mehr Spass."
Zwei 14-jährige Schüler
"Ja klar, wir sind in der Pubertät, ist ja klar, dass wir uns das anschauen. Wir haben es angeschaut und alles wieder weg gelöscht. Wir wollten gar nicht rein kommen, die kommen automatisch, wenn man Internet anmacht." Einer der beiden hatte ein besonders scheußliches Erlebnis beim Download eines Liedes: "letztens wollt ich was vom R.Kelly runter laden, auf einmal hab ich da ein Kinderporno auf meinem Computer, das hab ich gleich gelöscht, das war echt häßlich. Also da hat R.Kelly so ein Kind von hinten gepackt und so, also das war echt heftig und echt Scheiße."
Interviews live
Bitte beachten Sie:
Um die Originaltöne anzuhören benötigen Sie den "Winamp-Player".
Sollte das Programm nicht automatisch geöffnet werden, wenn Sie auf die Links klicken, dann können Sie es hier herunterladen: http://www.winamp.com/download/
Jugendliche äußern sich - Interviews zum Anhören
- Was sagt eine 17-Jährige zum Selbstwertgefühl der Frau?
- Zum Frauenbild: "Du bist doch nur'ne Putze!"
- Surfen im Internet. Was wird gefunden? - "Ich bin Attila. Ich bin 10 Jahre alt..."
- Sollten wir etwas gegen Sexseiten im Internet tun?
- Weisen Lehrer und Lehrerinnen auf diese Problematik hin?
