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Aus der Arbeit des Münchner Frauenbüros

  • Nahezu jede Frau jeden Alters fürchtet Gewalt.
  • Nahezu jede Frau hat Erfahrung mit Männergewalt; aus dem Bekannten- oder Freundeskreis, der Verwandtschaft oder der eigenen Familie.
  • Etwa jede fünfte Frau hat Männergewalt am eigenen Leib erfahren - in Form von Misshandlung in Partnerschaft und Ehe, als Vergewaltigung, sexuelle Nötigung oder Ausbeutung, Terror, Zwang zur Prostitution oder Bedrohung - als Erwachsene, Jugendliche oder als Kind.
  • Gewaltdelikte - auch an Männern - werden zu nahezu 90% von Männern begangen, Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen zu fast 100%, sexuelle Kindesmisshandlungen an Mädchen wie an Jungen zu etwa 90 %.
  • Männergewalt gegen Frauen ist Ausdruck der ungleichen gesellschaftlichen Machtverteilung zwischen Männern und Frauen in dieser Gesellschaft. Die ist das letzte Mittel, mit dem Männer versuchen ihre angemaßte Vorherrschaft gegenüber Frauen und Kindern zu sichern.

Gewalt gegen Frauen beginnt aber bereits bei Verachtung, Grenzverletzungen, Beleidigungen, Beschimpfungen, und Marginalisieren von Frauen.
Daran wird deutlich, dass die bisher erreichte formale Gleichstellung von Männern und Frauen offenbar nicht genügt, das strukturelle Gewaltverhältnis zwischen den Geschlechtern zu beseitigen.
Konsequenz: die Geschlechterhierarchie muss aufgebrochen werden. Das heißt: auch Männlichkeitsbilder, -rollen und -ideale sind zu hinterfragen und zu verändern. Täter müssen stärker zur Verantwortung gezogen werden.
Wir als Teile der Gesellschaft müssen unser Verhalten überprüfen und Zivilcourage entwickeln, um die Opfer zu bestärken, Wege aus der Gewalt zu finden.

Was die münchner Gleichstellungsstelle tun kann

Die Frauengleichstellungsstelle hat sich seit ihrer Gründung dieser Fragen angenommen, hat Frauen beraten, eigene Initiativen entwickelt und mit unterschiedlichen Veröffentlichungen versucht, Beiträge zur Bewusstseinsbildung zu leisten und Betroffene über Mittel, Wege und Hilfestellungen zu informieren. Sie hat außerdem darauf hingewirkt, das Hilfesystem so weiter zu entwickeln, dass betroffene Mädchen, Frauen und Kinder die notwendige Hilfe finden. Die Sicherheit der Opfer und ihr Weg aus der Gewalt sollen Ausgangspunkte der Weiterentwicklungen sein - auch im Zeichen knapper finanzieller Mittel.
Die Gleichstellungsstelle berät und fördert Projekte und Einrichtungen, die betroffenen Frauen und Kindern helfen wollen, sie initiiert und fördert Maßnahmen und Kampagnen, die dazu beitragen, für das Thema zu sensibilisieren, die Solidarität mit den Opfern zu stärken, Zivilcourage zu entwickeln und die Geschlechterhierarchie aufzubrechen.

Münchener Runder Tisch gegen Männergewalt

Die Gleichstellungsstelle ist - auch durch Organisation und Moderation - am Münchener Runden Tisch gegen Männergewalt beteiligt, an dem Fraueneinrichtungen, Beratungsstellen, städtische Dienste, Einrichtungen der Jugendhilfe und des Gesundheitswesen, Polizei und Justiz beraten über Verbesserung des Opferschutzes, in Verantwortungnahme der Täter und Prävention von Männergewalt.

Selbstverteidigung und Selbstbehauptung für Frauen und Mädchen

Die Gleichstellungsstelle hat gemeinsam mit dem Schul- und Kultusreferat einen Lehrgang in Mädchen- und Frauenselbstverteidigung und Selbstbehauptung für Lehrerinnen organisiert, um den Bedarf an Trainerinnen zu decken.
Jedem Mädchen an einer städtischen Schule oder Kindertagesstätte soll wenigstens einmal ein Kurs ermöglicht werden.
Bereits 1987 startet die Gleichstellungsstelle ein Pilotprojekt, das eine breite Öffentlichkeit mit Mädchen- und Frauenselbstverteidigung bekannt macht. Kurse finden in Alten- und Servicezentren, in Jugendeinrichtungen und Schulen statt.

Gemeinsam mit dem Schul- und Kultusreferat wurden Qualitätsstandards für Mädchen- und Frauenselbstverteidigung und Selbstbehauptung entwickelt und veröffentlicht.
(Qualitätssicherungsstandards: Link Schulreferat, Frau Muschol )

Ansprechpartnerinnen und Fachstellen in den städtischen Referaten

Die Gleichstellungsstelle wirkt darauf hin, dass die städtischen Referate kompetente AnsprechpartnerInnen für die Thematik Gewalt und sexualisierte Gewalt gegen Frauen, Mädchen und Jungen benennen, sorgt für Vernetzung und fachlichen Austausch.

Informationskarten und -plakate

"Stopp- keine Männergewalt gegen Frauen" steht auf den Karten, deren Rückseiten die wichtigsten SOS-Telefonnummern der Hilfeangebote für gewaltbetroffene Frauen veröffentlicht sind. Die Karten passen in jede Tasche. In Plakatform hängen sie in Betrieben, Krankenhäusern, Arztpraxen, sowie in der Fassung "Stopp - keine Männergewalt gegen Mädchen" in Schulen und Jugendeinrichtungen.
Die Gleichstellungsstelle legt diese Veröffentlichungen regelmäßig neu auf.

Schutz vor sexuellem Missbrauch

Dreiviertel der Opfer sexuellen Missbrauchs in der Familie sind Mädchen. Das ganze Ausmaß dieser Dramatik dringt erst allmählich ans öffentliche Bewusstsein. Die Zeiten, als die Forderung nach Zufluchtmöglichkeiten für Mädchen als überflüssig oder gar schädlich abgetan wurden, sind zum Glück vorbei. Die Stadt München fördert die erste und bisher einzige Zufluchtstätte in Bayern für Mädchen der Initiative Münchener Mädchenarbeit.
Seit 2001 arbeitet die Gleichstellungsstelle federführend mit in der Arbeitsgruppe des Runden Tisches gegen Männergewalt "Verdacht auf sexuellen Missbrauch".

Notruf für Frauen

Schon 1985 erreicht die Gleichstellungsstelle bei der Stadt die Förderung von zwei Stellen beim Frauennotruf - heute ist der Frauennotruf Fachzentrum für Beratung und Krisenintervention für Frauen mit sexuellen und anderen Gewalterfahrungen. Er bietet mittlerweile - nach langwierigen Verhandlungen mit den Zuschussgebern - auch nachts und am Wochenende ein Krisentelefon an.
Seit 1987 geben Frauennotruf und Gleichstellungsstelle gemeinsam die Broschüre "Vergewaltigung - Informationen für Frauen" heraus. 2002 ist die neuste überarbeitete Auflage erschienen.
(Link: Frauennotruf, Telefonnummer, Adresse)

Frauenhäuser in München

Frauenhäuser gehören zur sozialen Infrastruktur einer Großstadt und haben weit über die Stadt hinaus Bedeutung.
Sie bieten nicht nur Unterkunft für kurze Zeit, sie bieten Schutz und Aufnahme rund um die Uhr, sie arbeiten mit den Kindern, begleiten Frauen wenn nötig zu Ämtern und Gerichten, zur Polizei, helfen falls gewünscht und möglich bei der Zuweisung der Wohnung, bei der Wohnungssuche und unterstützen die Frauen bei dem oft schwierigen Weg aus der Gewaltbeziehung.
Bereits 1986 nimmt die Gleichstellungsstelle gemeinsam mit dem Sozialreferat und den Frauenhäusern Verhandlungen mit dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales auf, um durch Richtlinien für die Frauenhäuser akzeptable Finanzierungsbedingungen zu erreichen. 1991 werden schließlich die Richtlinien verabschiedet. Dennoch reicht die staatliche Förderung für die qualifizierte Arbeit bei weitem nicht aus. Den erheblichen Fehlbetrag finanziert die Stadt.

Kampagne "Aktiv gegen Männergewalt"

Über 250 Einrichtungen, Beratungsstellen, Verbände, Vereine, Institutionen, Gruppen und viele städtische Dienststellen beteiligten sich an der Münchener Kampagne "Aktiv gegen Männergewalt" - mit initiiert auch durch die Gleichstellungsstelle.
In Hunderten von Veranstaltungen, Fachgesprächen, mit Plakataktionen und Ausstellungen wurde auf Ursachen, Folgen und Ausmaß von Männergewalt hingewiesen. Polizei, Justiz, Fachfrauen und -männer diskutierten ihre eigene Praxis, informierten sich über Projekte im In- und Ausland und erarbeiteten, was sich in ihrer täglichen Arbeit ändern muss, um den Opfern besser gerecht zu werden, um Männergewalt Grenzen zu setzen. Es wurden Projekttage an Schulen durchgeführt, eine Plakat- und Postkartenserie erweckt Aufmerksamkeit und durch Jugendliche selbst gestaltete Werbeflächen verbinden Aktion und Information.
Die Idee stammt aus der Partnerstadt Edinburgh und war im Rahmen der Städtepartnerschaftswochen 1994 in einer Veranstaltung auf Einladung der Frauengleichstellungsstelle vorgestellt worden.

  • der Münchener Runde Tisch gegen Männergewalt (siehe Text Runder Tisch)
  • das "Unsichtbare Theater", das unter Leitung einer Schauspielerin unbemerkt in öffentlichen Räumen die Stadtöffentlichkeit mit dem Thema Männergewalt konfrontiert, in Gespräche verwickelt und Zivilcourage fördern will,
  • Schulprojekte zur Prävention von Männergewalt

Aus der Kampagne hervorgegangen sind
Die Gleichstellungsstelle hat in einer Fragebogenaktion die städtischen Referate nach den Ergebnissen der Kampagne befragt. Die Auswertung ist bei der Gleichstellungsstelle erhältlich.
Eine umfassende Dokumentation der Kampagne ist bestellbar über kofra@t-online.de

Nachbarschaftsaktion "Hinsehen - Helfen - Hilfe holen

Eine Erkenntnis aus der Kampagne "Aktiv gegen Männergewalt" ist: viele Menschen, die Zeugen von Männergewalt an Frauen werden, müssen ermutigt werden, einzuschreiten und Hilfe zu holen, ohne sich dabei selbst in Gefahr zu bringen.
Die Gleichstellungsstelle hat dazu Flyer - inzwischen auch in türkischer und griechischer Sprache - herausgegeben, eine Broschüre, Postkarten mit den wichtigsten Adressen und Telfonnummern von Beratungs- und Hilfemöglichkeiten und Aufkleber für Briefkästen oder Türschilder.
Verschiedene Einrichtungen - zum Beispiel der Sozialdienst der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft in der Nordheide - beteiligen sich daran und beraten auf Wunsch vor Ort. (siehe Nachbarschaft Infomaterial und Nachbarschaft Broschüre)

Alle Materialien sind beziehbar über die Frauengleichstellungsstelle im Rathaus, Zimmer 114/I. Zugesandt werden sie gegen Einsendung von 1,44 EURO in Briefmarken.
Teilweise können die Veröffentlichungen auch in der Stadtinformation im Rathaus mitgenommen werden.