FAQ = Häufig gestellte Fragen
In ihrer Zeitung fiff geht die Gleichstellungsstelle für Frauen auf häufig anzutreffende Argumente und Gegenargumente zur sexualisierten Gewalt im Internet ein. (Hier ein Auszug aus der fiff-Sonderausgabe zu lets netz).
Die Sexseiten im Internet sind nur ein Bruchteil aller verfügbaren Seiten. Sind sie überhaupt relevant?
Täglich tauchen etwa 20 000 neue Sex-Seiten im Internet auf, das hat die Zeitschrift Stern recherchiert. Bei dem unüberschaubar großen Angebot im www mag das wenig erscheinen. Allerdings werden über 70 Prozent des gesamten Online-Umsatzes in Europa und den USA mit Internet-Pornografie gemacht. Kein Wunder, dass sich Sex, Gewalt & Co durch besonders aggressive Banner-Werbung auf die Bildschirme drängen und zum Einklicken verführen wollen.
Ist es denn verwerflich oder schädlich, einen entblößten Busen anzusehen, schließlich gibt es ja auch Kunstwerke mit nackten Frauen?
Nackte Körper darstellen und anschauen, etwa in der Kunst, ist keineswegs anstößig - hier geht es um Art und Zweck der Darstellung. Auf vielen Web-Seiten werden Frauen kommerzialisiert, entwertet und auf bloße Sexobjekte reduziert: dazu da, Männerfantasien zu bedienen. Folge: die Verachtung von Frauen, ihre Bevormundung, Entrechtung, sexuelleMisshandlung bis hin zur Vergewaltigung werden als alltäglich erlebt. Der Prozess ist schleichend und subtil, aber wirksam.
Aber diese Dinge gibt es doch nicht nur im Internet. Kann nicht jeder im Sexshop Videos und Magazine kaufen?
Wer einen Laden betritt, um ein Porno-Video zu kaufen, muss eine Hemmschwelle überwinden, die es im Internet nicht gibt. Alle können surfen, chatten und sich Dateien downloaden - und bleiben dabei anonym. Aber das ist nur ein Nebenaspekt. Die Interaktivität der Hightech-Medien ermöglicht eine neue Dimension der Gewalt gegen Frauen und Mädchen: Frauenkörper können mittels Computer beliebig konstruiert werden. Sexuelle Handlungen und Misshandlungen können beliebig dargestellt werden, und zwar nicht nur virtuell, im Computerspiel, sondern sogar ganz real: Es gibt interaktive Life-Strips, bei denen User "in Echtzeit" pornographische Szenen "drehen" können, Misshandlungen inklusive. Über das Internet wird weltweit eine neue Form von Menschenverachtung praktiziert und verbreitet.
Das Internet gibt es weltweit, können wir auf lokaler Ebene überhaupt etwas dagegen tun?
Es ist sicherlich sehr schwierig, gegen Gewalt und Pornografie im Internet ein für alle mal vorzugehen. Netz-Pornografen sind findige Unternehmer - und Internet-Fahndern mangelt es oft an der Ausrüstung und den Befugnissen. Technisch ist es derzeit immerhin möglich, bestimmte Internet-Seiten mittels Filter auszublenden. Viele Schulen und Einrichtungen machen das bereits und schützen so Kinder und Jugendliche. Auch gibt es Strafgesetze, die gegen Internet-Kriminalität wirken. Ein Problem ist jedoch, dass sie international nicht einheitlich sind, was die Strafverfolgung oft erschwert.
Reicht es nicht, wenn wir Kinder und Jugendliche durch Filterprogramme schützen? Wenn ein erwachsener Mensch Pornografie- und Sex-Seiten sehen will, schadet er doch niemandem, oder?
Für die Herstellung von Sex- und Gewaltszenen werden nicht virtuelle Konstrukte, sondern reale Frauen, Mädchen und Buben zu sexuellen Handlungen gezwungen, missbraucht, vergewaltigt und in Einzelfällen sogar bestialisch ermordet. In Online-Katalogen kann man so genannte Sex-Reisen buchen, oder Frauen und Kinder per Mausklick aussuchen und kaufen. Besonders betroffen sind davon Frauen, Mädchen und Buben aus Teilen der Welt mit großer wirtschaftlicher Not. Sie handeln nicht freiwillig, meist zwingt sie bittere Armut. Es geht um die Ausbeutung von Frauen und Kindern, die Zerstörung ihrer Körper und Seelen.
Warum prangert www.fan2003.de nur Männergewalt an? Es sind doch auch Frauen Täterinnen und Männer unter den Opfern.
Zugegeben, auch Buben und Männer sind Opfer von Gewalt. Auch gibt es Frauen, die Mädchen zur Prostitution zwingen, andere Frauen misshandeln oder vom Pornogeschäft profitieren. Polizeistatistiken weltweit belegen jedoch: es sind hauptsächlich Männer, die sexuelle Gewalt konsumieren und ausüben. Und: diese Form der Gewalt richtet sich überwiegend gegen Frauen. Das ist leider nicht nur im Internet so.
